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Gesundheit3. November 2026 · 3 Min.

Ibutamoren (MK-677) und Regeneration: die zweijährige Studie

65 Erwachsene zwischen 60 und 81 bekamen zwei Jahre lang täglich 25 Milligramm MK-677 oder Placebo. Die fettfreie Masse stieg in der Gruppe um 1,1 Kilogramm und fiel im Placeboarm um 0,5. Kraft und Funktion änderten sich dadurch nicht. Das steht so im Papier.

Eine kleine weiße Tablettenflasche ohne Etikett auf einem hellen Holztisch neben einem zusammengefalteten Lauftuch

Zwei Jahre, vierzig Zentimeter, eine Differenz von anderthalb Kilogramm fettfreier Masse — und keine Verbesserung bei Kraft oder Funktion.

Kurz gesagtIn einer zweijährigen randomisierten Studie mit 65 Erwachsenen zwischen 60 und 81 Jahren erhöhte MK-677 die pulsatile Wachstumshormonsekretion und steigerte die fettfreie Masse um 1,1 Kilogramm, während im Placeboarm 0,5 Kilogramm verloren gingen. Bauchviszerales Fett undGesamtfett änderten sich nicht signifikant, das Körpergewicht stieg in beiden Armen, unter MK-677 um 2,7 Kilogramm. Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass die höhere fettfreie Masse zu keinen Veränderungen bei Kraft oder Funktion führte.

Es gibt eine Studie, die in fast jeder Diskussion über Regeneration im Alter zitiert wird und die fast nie vollständig gelesen wird. Sie hat zwei Jahre gedauert, sie hat 65 Menschen eingeschlossen, und sie steht im Annals of Internal Medicine. Der wichtige Teil ist nicht die erste Zahl, sondern die letzte Zeile der Ergebnisse.

Wer sich zuerst mit der Verbindung zwischen Peptiden und Regeneration beschäftigt, findet dort den Überblick über die Studie selbst: die MK-677-Zwei-Jahres-Studie.

Der Aufbau

Zweijährige, doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Studie mit modifiziertem Crossover-Design, durchgeführt an einem universitären Forschungszentrum. 65 gesunde Erwachsene zwischen 60 und 81 Jahren — Männer, Frauen mit Hormonersatztherapie und Frauen ohne. Oral wurde MK-677 mit 25 Milligramm oder Placebo einmal täglich verabreicht. Primäre Endpunkte nach einem Jahr waren fettfreie Masse und bauchviszerales Fett, alle Endpunkte wurden zu Beginn und alle sechs Monate erhoben.

Die Verträglichkeit war gut. Die Autoren schreiben, MK-677 habe die Wachstumshormon- und IGF-I-Spiegel signifikant auf das Niveau gesunder junger Erwachsener gehoben, ohne ernsthafte unerwünschte Wirkungen.

Was sich im Körpermaß bewegt hat

  • Fettfreie Masse: in der Placebogruppe minus 0,5 Kilogramm, im Konfidenzintervall von minus 1,1 bis 0,2 Kilogramm; in der MK-677-Gruppe plus 1,1 Kilogramm, im Konfidenzintervall von 0,7 bis 1,5 Kilogramm. p kleiner als 0,001.
  • Zellmasse, abgebildet am intrazellulären Wasser: minus 1,0 Kilogramm gegen plus 0,8 Kilogramm, p gleich 0,021.
  • Bauchviszerales Fett und Gesamtfett: keine signifikanten Unterschiede. Der durchschnittliche Anstieg des Gliedmaßenfetts war in der MK-677-Gruppe allerdings größer: 1,1 Kilogramm gegenüber 0,24 Kilogramm, p gleich 0,001.
  • Körpergewicht: plus 0,8 Kilogramm im Placeboarm, plus 2,7 Kilogramm in der MK-677-Gruppe, p gleich 0,003.

Und was sich nicht bewegt hat

Drei Einträge verdienen, nebeneinander gelesen zu werden, weil sie die Erzählung von der Regeneration brechen:

Die Blutzucker stieg. Der Nüchternwert erhöhte sich in der MK-677-Gruppe um 0,3 Millimol pro Liter, p gleich 0,015, und die Insulinsensitivität sank.

Das Kortisol stieg. Die Autoren berichten über einen Anstieg des Kortisolspiegels bei den MK-677-Empfängern. In einer Studie, die bei Muskelaufbau als positiv verkauft wird, ist das eine Variable, die man nicht überliest.

Und dann der Kernsatz: Die erhöhte fettfreie Masse führte zu keiner Veränderung bei Kraft oder Funktion.

Die Autoren formulieren es selbstbewusst und ohne Beschönigung: Die Studienpower — Dauer und Teilnehmerzahl — reichte nicht aus, um funktionelle Endpunkte bei gesunden älteren Personen zu bewerten. Zweijährige explorative Analysen bestätigten die Ein-Jahres-Ergebnisse.

Der Unterschied zwischen Masse und Funktion

Ein Punkt, der in der Diskussion um die Studie fast immer verschwindet: die Zellenmasse war ein Marker. Sie ist über intrazelluläres Wasser gemessen, also über die Flüssigkeit in den Muskelzellen, nicht über eine Funktion. Der Wert stieg. Ob die Menschen dadurch mehr konnten, wurde gemessen — Kraft und Funktion haben sich nicht verändert.

„Mehr fettfreie Masse” und „mehr Leistung” sind zwei verschiedene Aussagen, und die Studie trennt sie sauber.

Was diese Studie nicht zeigt

  • Keine Aussage über Regeneration im Sinne von Erholung nach dem Training. Die Endpunkte waren Körperzusammensetzung und Stoffwechselmarker; Muskelkater, Schlaf und Entzündungsmarker wurden nicht berichtet.
  • Kein Ergebnis bei trainierten Menschen. Die Teilnehmenden waren gesunde ältere Erwachsene, keine Ausdauersportler.
  • Keine Verträglichkeitsdaten über die hinausgehenden zwei Jahre hinaus.
  • Keine Wirkung auf Knochenbruch, Sturz oder Selbstständigkeit — die Endpunkte, die man für eine Aging-Behauptung eigentlich bräuchte.
  • Die funktionale Frage bleibt offen, weil die Studie zu klein war — das sagen die Autoren selbst, und das ist kein Makel an der Arbeit, sondern an der Größe des Feldes.

In einem Satz

Zwei Jahre, 65 Menschen, ein Kilogramm Unterschied in der fettfreien Masse und null Unterschied bei Kraft und Funktion: Diese Studie ist kein Beleg für Regeneration, sondern eine sauber gemessene Lücke zwischen zwei Größen, die man gern gleichsetzt.

Woher die Zahlen kommen

  1. Ann Intern Med 2008 — Effects of an oral ghrelin mimetic on body composition and clinical outcomes in healthy older adults: a randomized trial (PMID 18981485, zweijährige doppelblinde randomisierte placebokontrollierte Studie mit modifiziertem Crossover-Design an einem universitären klinischen Forschungszentrum ; 65 gesunde Erwachsene, Männer, Frauen mit Hormonersatztherapie und Frauen ohne Hormonersatztherapie, im Alter von 60 bis 81 Jahren ; oral wurde MK-677 in einer Menge von 25 Milligramm oder Placebo einmal täglich verabreicht ; primäre Endpunkte nach einem Jahr waren fettfreie Masse und bauchviszerales Fett ; alle Endpunkte wurden zu Beginn und alle sechs Monate erhoben ; MK-677 erhöhte signifikant die Wachstumshormon- und IGF-I-Spiegel auf das Niveau gesunder junger Erwachsener, ohne ernsthafte unerwünschte Wirkungen ; die mittlere fettfreie Masse nahm in der Placebogruppe ab und in der MK-677-Gruppe zu, mit einer Änderung von minus 0,5 Kilogramm, 95-Prozent-Konfidenzintervall minus 1,1 bis 0,2 Kilogramm, gegenüber plus 1,1 Kilogramm, Konfidenzintervall 0,7 bis 1,5 Kilogramm, bei einem p-Wert kleiner als 0,001 ; auch die Zellmasse nahm zu, abgebildet am intrazellulären Wasser, mit minus 1,0 Kilogramm gegenüber plus 0,8 Kilogramm bei p gleich 0,021 ; im bauchviszeralen Fett und im Gesamtfett zeigten sich keine signifikanten Unterschiede, der durchschnittliche Anstieg des Gliedmaßenfetts war in der MK-677-Gruppe jedoch größer mit 1,1 Kilogramm gegenüber 0,24 Kilogramm bei p gleich 0,001 ; das Körpergewicht stieg in der Placebogruppe um 0,8 Kilogramm und in der MK-677-Gruppe um 2,7 Kilogramm bei p gleich 0,003 ; die Nüchternblutzucker stieg in der MK-677-Gruppe im Mittel um 0,3 Millimol pro Liter bei p gleich 0,015, und die Insulinsensitivität sank ; häufigste Nebenwirkungen waren eine nach wenigen Monaten nachlassende Appetitsteigerung sowie vorübergehende milde Unterschenkelödeme und Muskelschmerzen ; die LDL-Cholesterinspiegel sanken in der MK-677-Gruppe gegenüber dem Ausgangswert ; der Kortisolspiegel stieg bei den MK-677-Empfängern ; die Knochenmineraldichte zeigte Veränderungen im Sinne eines verstärkten Knochenumbaus ; die erhöhte fettfreie Masse führte zu keinen Veränderungen bei Kraft oder Funktion ; die Autoren halten fest, dass die Studienpower für funktionelle Endpunkte bei gesunden älteren Personen nicht ausreichte)

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