Lauf & Luft

Ein Lauftagebuch. Langsam, draußen, meistens zufrieden.

Forschung30. Oktober 2026 · 2 Min.

Laufökonomie ab 65: 2 bis 9 Prozent sparsamer, 10 bis 20 Prozent weicher

15 junge und 15 ältere Läufer auf dem Kraftmesslaufband bei 2,01, 2,46 und 2,91 Meter pro Sekunde: Die Älteren verbrauchten 2 bis 9 Prozent weniger metabolische Energie, ihre Beinsteifigkeit lag aber 10 bis 20 Prozent unter der der Jungen und sank mit steigender Geschwindigkeit.

Ein Paar abgetragener Laufschuhe auf einer verwitterten Holzbank neben einer Laufbahn im frühen Morgenlicht

Man sollte die Studie nicht als Einladung lesen, mit 65 schneller zu werden. Sie sagt etwas anderes: Die Ökonomie bleibt, die Steifigkeit nicht.

Kurz gesagtIn einer Studie mit je 15 Läuferinnen und Läufern pro Gruppe liefen die älteren auf einem kraftmessenden Laufband bei 2,01, 2,46 und 2,91 Meter pro Sekunde und verbrauchten über alle Geschwindigkeiten 2 bis 9 Prozent weniger metabolische Energie als die jungen (P=0,012) — bei einer um 10 bis 20 Prozent geringeren Beinsteifigkeit (P=0,002), die bei ihnen mit steigender Geschwindigkeit weiter abnahm, während sie bei den Jungen zunahm.

Mit 65 beginnt normalerweise der Verlust der Laufökonomie — so die verbreitete Annahme, auf der ein ganzes Marktsegment aufbaut. Eine Studie mit Kraftmesslaufband und zwei Altersgruppen sagt: Die Ökonomie bleibt. Die Steifigkeit des Beins geht.

Was gemessen wurde

Je 15 junge und 15 ältere Läuferinnen und Läufer liefen auf einem kraftmessenden Laufband bei drei Geschwindigkeiten: 2,01, 2,46 und 2,91 Meter pro Sekunde. Erfasst wurden der metabolische Energieverbrauch, die Bodenreaktionskräfte und die Schrittkinetik.

Das Ergebnis über alle drei Geschwindigkeiten: Die älteren verbrauchten 2 bis 9 Prozent weniger metabolische Energie als die jungen (P=0,012). Über den Geschwindigkeitsbereich gab es also nur kleine Unterschiede in der Laufökonomie — nach der Richtung, die niemand erwartet hatte.

Und die Gegenprobe: Die Beinsteifigkeit der älteren lag 10 bis 20 Prozent unter der der jungen (P=0,002). Bei ihnen nahm sie mit steigender Geschwindigkeit sogar weiter ab, während sie bei den Jungen zunahm.

Warum das ein zusammenhängender Befund ist

Laufökonomie hängt zu einem großen Teil daran, wie viel elastische Energie das Bein während der Stützphase speichert und zurückgibt — wie eine Feder. Genau dieses Zusammenspiel meinen die Autoren mit der Steifigkeit. Der ältere Laufende ist also nicht effizienter geworden, sondern elastischer. Das ist eine kleine, spezifische Aussage über den Materialspeicher im Bein, keine über den Gesamtorganismus.

Der zweite Artikel stützt das aus der anderen Richtung, mit Gewebe statt mit Messwerten: ein Review zur trainingsvermittelten Reinnervation im Alter. Mit den Jahren werden Typ-2-Fasern bevorzugt denerviert und von langsamen Motoneuronen reinnerviert, es entstehen Fasergruppen und ein Fasertypshift. Eine Vorgängerstudie von 2013 fand bei Siebzigjährigen mit lebenslanger Hochleistungstrainingsgeschichte eine deutlich stärkere Reinnervation des vastus lateralis als bei einer Kontrollgruppe.

Was die Daten nicht zeigen

Sie zeigen nicht, dass ältere Läuferinnen und Läufer in jeder Hinsicht besser abschneiden. Beide Gruppen umfassten 15 Personen, und 15 Personen sind keine Altersgruppe, sondern ein Stichprobenfehler mit Fallhöhe. Sie zeigen auch nicht, dass Training die Altersgrenze verschiebt: die Studie vergleicht Gruppen, sie führt keine Trainingsintervention durch, und die Richtung der Kausalität — ob trainierte ältere Läufer ihre Ökonomie behalten, weil sie trainieren, oder ob die Ökonomie sie zum Weitertrainieren verleitet — bleibt offen. Und die Reinnervationsarbeit ist Gewebe unter dem Mikroskop; sie sagt nichts über Ausdauerleistung oder Verletzungsrisiko.

Die nüchterne Fassung: Der Mythos vom unvermeidlichen Ökonomieverlust ab 65 hat weniger Daten, als er sollte — aber die Studie ist zu klein, um daraus ein Trainingsversprechen zu bauen.

Woher die Zahlen kommen

  1. Med Sci Sports Exerc 2016 — Older runners retain youthful running economy despite biomechanical differences (PMID 26587844, Studie an 15 jungen und 15 älteren Läuferinnen und Läufern auf einem kraftmessenden Laufband bei Geschwindigkeiten von 2,01, 2,46 und 2,91 Meter pro Sekunde, mit Messung des metabolischen Energieverbrauchs, der Bodenreaktionskräfte und der Schrittkinetik, und mit der Überlegung, dass ein entscheidender Determinationspunkt der Laufökonomie die federartige Speicherung und Rückgabe elastischer Energie aus dem Bein während der Stützphase ist, die mit der Beinsteifigkeit zusammenhängt ; über den Geschwindigkeitsbereich gab es nur kleine Unterschiede in der Laufökonomie zwischen jungen und älteren Läufern ; die älteren verbrauchten statistisch signifikant 2 bis 9 Prozent weniger metabolische Energie als die jungen (P=0,012) ; die Beinsteifigkeit der älteren lag 10 bis 20 Prozent unter der der jungen (P=0,002) und sank im Gegensatz zu den jungen mit steigender Geschwindigkeit (P kleiner als 0,001) ; die Autoren schließen, dass Läufer jenseits von 65 eine jugendliche Laufökonomie trotz biomechanischer Unterschiede beibehalten)
  2. Eur J Transl Myol 2022 — Exercise-mediated reinnervation of skeletal muscle in elderly people: an update (PMID 35234025, Kurzreview zur Wiederaufnahme der Innervation gealterter Skelettmuskulatur, mit dem Wiederabdruck einer precursors-Studie von 2013, die eine deutliche Zunahme der Reinnervation des musculus vastus lateralis bei Siebzigjährigen mit lebenslanger Hochleistungstrainingsgeschichte gegenüber einer Kontrollgruppe zeigte ; die Sarcopenie ist definiert als Verlust von Muskelmasse und -funktion, im Alter mit leichter chronischer Entzündung sowie mit faserintrinsischen Defekten wie mitochondrialer Dysfunktion verbunden, und mit körperlicher Behinderung und gesunkener Lebensqualität assoziiert ; mit dem Alter werden Typ-2-Fasern bevorzugt denerviert und von langsamen Motoneuronen reinnerviert, was zu Gruppierung und Fasertypshift führt ; die Autoren diskutieren diese Ergebnisse im Licht der jüngeren Literatur, die die trainingsvermittelte Reinnervation im Alter bestätigt und erweitert und letztlich Muskelstruktur und -funktion bei trainierenden älteren Menschen erhält)

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