Manchmal ist die Frage nicht „hilft es”, sondern „was wurde eigentlich geprüft, als man behauptete, es hilft”. Bei mir kam die Frage nach einem langen Sonntag, mit einem Knie, das seit drei Wochen bei jedem zehnten Kilometer meldet, und mit einem Forum, in dem Kollagen Typ 2 als Antwort auf fast alles gehandelt wird, was man im Laufsport spürt. Ich habe also zuerst gelesen und dann entschieden, ob ich etwas nehme.
Die Antwort, die ich gefunden habe, ist unbequemer als die Werbung: Es gibt eine Meta-Analyse, und sie ist gut gemacht. Und sie sagt weniger, als man ihr zuschreibt, wenn man nur die erste Zahl liest.
Fünf Forscherinnen und Forscher aus Mexiko haben bis Oktober 2023 in MEDLINE, EMBASE, Web of Science und Scopus gesucht, alle randomisierten kontrollierten Studien, die den Effekt oraler kollagenbasierter Supplemente auf Symptome der Kniegelenksarthrose berichten. Eingeschlossen wurden elf Studien mit 870 Teilnehmenden: 451 in der Kollagengruppe, 419 in der Placebogruppe. Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane-Instrument RoB 2.0 bewertet, gepoolt wurde je nach Streuung der Studien mit zufälligen oder festen Effekten.
Zwei Ergebnisse stehen am Ende. Für die Funktion: eine mittlere Differenz von minus 6,46 Punkten, 95-Prozent-Konfidenzintervall von minus 9,52 bis minus 3,40. Für den Schmerz: minus 13,63 Punkte, Konfidenzintervall von minus 20,67 bis minus 6,58. Beide p kleiner als 0,00001. Die Richtung ist also für beide Endpunkte dieselbe, und beide Konfidenzintervalle liegen vollständig auf der Seite der Verbesserung.
Und jetzt die Zahl, die in der Werbung fehlt
Dieselbe Veröffentlichung nennt die Streuung: 75 Prozent für die Funktion, 88 Prozent für den Schmerz. Das ist I², also der Anteil der Gesamtvarianz zwischen den Studien, der nicht von den Stichprobenfehlern erklärt wird.
88 Prozent sind fast alles andere als Einigkeit. Das heißt: Wenn ich die elf Studien einzeln lese, bekomme ich Werte, die weit auseinanderliegen — manche mit großem Effekt, manche ohne sichtbaren, vielleicht mit einer Gruppe, die sich verschlechtert. Der gepoolte Wert ist der Durchschnitt dieser Heterogenität, nicht ein Effekt, den jede Studie in derselben Höhe gefunden hat. Er sagt „in dieser Menge von Studien war der Durchschnitt der Supplementgruppe besser”, nicht „bei dir wird es besser”.
Und dann der entscheidende Punkt, den fast jede Meldung weglässt: Gepoolt wurden kollagenbasierte Supplemente. In dieser Formulierung steht nichts davon, dass alle elf Studien Typ 2 untersucht hätten. Typ 2 ist ein Molekül, das nur im Gelenkknorpel vorkommt; ein Supplement auf Basis von Rinderhaut ist ein anderes Produkt mit einer anderen Aminosäurebilanz und einer anderen Menge an Hydroxyprolin. Wer den Titel dieser Meta-Analyse liest und daraus „Typ 2 wirkt” macht, hat einen Schluss gezogen, den die elf Studien in dieser Form nicht hergeben.
Zwei Studien zum Gegenprobieren
Die erste heißt Pilotstudie, und das ist keine Höflichkeitsfloskel. Oliviero und ihre Gruppe aus Padua haben 30 Patienten mit Kniegelenksarthrose und geschwollenem Gelenk aufgenommen, randomisiert in zwei Gruppen zu je fünfzehn. Vier Wochen lang bekam die Behandlungsgruppe täglich eine Kombination: 120 Milligramm Hyaluronsäure, 240 Milligramm Chondroitinsulfat und 300 Milligramm Keratin als bioaktive Oligopeptide. Die Kontrollgruppe bekam nichts als die Gelenkpunktion. Verbessert wurden die WOMAC-Selbstauskunft, der Lequesne-Index und die visuelle Schmerzskala, alle drei signifikant; in der Kontrollgruppe änderte sich nichts Signifikantes. In der Synovialflüssigkeit sank Interleukin 8.
Zwei Dinge muss man dazu sagen. Erstens war die Kontrollgruppe nicht mit Placebo behandelt worden, sondern lediglich gepunkt — ein Vergleich, der Placeboeffekte nicht abfangen kann. Zweitens war das geprüfte Produkt eine Mischung aus drei Stoffen. Selbst wenn die Zahlen stimmen, kann man daraus keinen Schluss auf einen einzelnen Bestandteil ziehen, und schon gar nicht auf Kollagen Typ 2.
Die zweite Studie ist die andere Richtung derselben Sache: Fischknorpelhydrolysat, 33 Teilnehmende mit Kniebeschwerden, veröffentlicht 2023 in BMC Musculoskeletal Disorders. Die Kniebeschwerden besserten sich, gemessen mit dem KOOS-Score, ebenso wie der Schmerz in Ruhe und beim Gehen. Die Autoren benennen es selbst als explorative, nicht vergleichende Studie und schreiben hin, dass diese vorläufigen Daten in einer randomisierten kontrollierten Studie bestätigt werden müssen. Mehrere der Unterzeichner arbeiten bei Zutatenherstellern, einer von ihnen bei der Firma, die das Hydrolysat vertreibt. Das macht die Studie nicht falsch. Es macht sie zu einer Studie, die eine Frage aufwirft und nicht beantwortet.
Was die Mechanismusebene wirklich hergibt
Die vierte Quelle ist keine Gelenkstudie, sondern eine aus dem Leistungssport, und sie beantwortet die Frage, warum Läuferinnen und Läufer überhaupt auf Kollagenprodukte kommen. Shaw, Lee-Barthel, Ross, Wang und Baar aus Canberra und Davis haben acht gesunde Männer untersucht. Randomisiert doppelblind als Überkreuzungsstudie: fünf oder 15 Gramm mit Vitamin C angereicherte Gelatine oder Placebo, dreimal täglich an drei Tagen, jeweils eine Stunde vor der Belastung, die Belastung waren sechs Minuten Seilspringen.
Was passierte: Die Blutspiegel von Glycin, Prolin, Hydroxyprolin und Hydroxylysin stiegen mit der Menge der Gelatine und erreichten eine Stunde nach der Einnahme ihren Höchststand. Bei den Bändern, die in Serum dieser Proben eingelegt wurden — künstlich präparierte Bandstrukturen, keine Sehnen von Menschen — nahm der Kollagengehalt zu und die Mechanik verbesserte sich. Und die Probanden, die 15 Gramm eine Stunde vor dem Springen genommen hatten, zeigten die doppelte Menge an aminoterminalem Propeptid von Kollagen Typ 1 im Blut.
Das ist der Teil, den man zitieren darf, mit einer Einschränkung: PINP ist ein Marker für laufende Synthese, kein Verletzungs- oder Genesungsmaß. Acht Personen, sechs Minuten Springen, drei Tage. Die Autoren formulieren es selbst als Können, nicht als gezeigte Verletungsprävention — „could play a beneficial role”, nicht „prevents injuries”. Wer daraus einen Satz über gesunde Läufer macht, macht denselben Fehler wie bei den 88 Prozent Streuung: eine andere Population, ein anderes Endziel.
Was ich daraus mitnehme
Die ehrliche Fassung lautet in drei Sätzen. Für Menschen mit diagnostizierter Kniegelenksarthrose ist die Datenlage für orale Kollagenprodukte besser als ihr Ruf, aber sie ist breit und heterogen, und sie sagt nichts darüber, welches Produkt man wählen soll. Für gesunde Läufer mit einem gereizten Knie ist die Datenlage zu dieser Frage praktisch nicht vorhanden — die elf Studien populationsbezogen sind und keine Verletzungsrate bei Sportlern messen. Und die eine Studie, die bei Sportlern den Mechanismus zeigt, zeigt Synthese, nicht Reparatur.
Ein Teil davon lässt sich ohne jedes Präparat prüfen: Das Belastungsprotokoll, die Schlafdauer und die Abfolge zwischen Belastungsspitzen und harten Untergründen waren in allen Studien, die ich gelesen habe, die unvariablen Größen. Die Tabelle oben habe ich in meinen Kalender gehängt, nicht in die Küche. Am Ende bleiben elf Studien, 870 Menschen mit Arthritis und kein Produkt, das mir einen Schritt-für-Schritt-Beweis schuldet.
Was ich aufschiebe: Die Frage nach der Kombination mit Vitamin C ist interessant, weil sie sich für wenig Geld testen ließe. Vielleicht in drei Monaten, wenn das Grundgerüst steht.