Meine Uhr hat mir zwei Jahre lang erzählt, ich sei in Zone 4, wenn ich mich
locker gefühlt habe. Ich habe der Uhr geglaubt und bin langsamer gelaufen, als
nötig — oder eigentlich: Ich habe mich schlecht gefühlt, weil eine Zahl rot war.
Woher die Zonen kommen
Fast alle Uhren rechnen mit 220 minus Lebensalter als Maximalherzfrequenz und
teilen den Bereich darunter in fünf Zonen.
Die Formel ist eine Näherung aus einer Regressionsanalyse, und ihre
Standardabweichung liegt bei rund zehn Schlägen pro Minute. Das heißt: Für einen
erheblichen Teil der Menschen liegt die tatsächliche Maximalherzfrequenz zwanzig
Schläge neben dem Formelwert — nach oben oder nach unten. Bei mir waren es
dreizehn nach oben, gemessen bei einem Wettkampfende.
Zwanzig Schläge Fehler verschieben jede einzelne Zonengrenze. Damit ist die
gesamte Farbskala eine Vermutung.
Was ich stattdessen benutze
Das Gefühl. Ganze Sätze sprechen können heißt locker. Kurze Sätze heißt
mittel. Einzelne Wörter heißt hart. Diese Skala ist kostenlos, braucht keine
Kalibrierung und hat mich nie in die Irre geführt.
Die Herzfrequenz als Beobachtung, nicht als Vorgabe. Ich schaue sie
hinterher an. Wenn dieselbe Runde im selben Tempo über Monate bei niedrigerem
Puls läuft, geht es in die richtige Richtung. Das ist die nützlichste Information
aus dem Gerät, und sie braucht keine Zonen.
Der Puls ist ein gutes Thermometer und ein schlechter Chef.
Wenn du doch Zonen willst
Dann brauchst du eine gemessene Maximalherzfrequenz — aus einem harten
Wettkampfende oder einem Feldtest — oder besser eine Schwelle aus einer
Leistungsdiagnostik. Beides ist sinnvoll, wenn man strukturiert trainiert; für
drei Feierabendrunden pro Woche ist es Aufwand ohne Gegenwert.
Und zwei technische Punkte, die den Ärger oft erklären:
- Optische Handgelenksmessung springt bei Intervallen und in der Kälte
regelmäßig auf die doppelte oder halbe Frequenz. Ein Brustgurt ist hier
deutlich zuverlässiger.
- Der Puls hinkt nach. Er braucht ein bis zwei Minuten, um auf eine
Tempoänderung zu reagieren. Für kurze Intervalle ist er als Steuergröße
ungeeignet.
Was ich behalten habe
Den Ruhepuls morgens, gelegentlich. Steigt er mehrere Tage deutlich über meinen
Normalwert, laufe ich locker oder gar nicht. Das ist der einzige Zahlenwert, dem
ich beim Training noch etwas zutraue.