Lauf & Luft

Ein Lauftagebuch. Langsam, draußen, meistens zufrieden.

Technik & Tempo5. Juli 2026 · 2 Min.

Kadenz: die 180 sind kein Naturgesetz

Die berühmteste Zahl im Laufsport stammt aus einer Beobachtung bei Olympia — nicht aus einer Vorgabe. Was ich stattdessen mache.

Füße einer Läuferin auf Asphalt

Kürzere Schritte lösen mehr Probleme als jede Fußaufsatz-Debatte.Foto: Kristian Egelund / Unsplash

Kurz gesagtNicht auf 180 zwingen. Fünf bis zehn Prozent mehr Schritte als bisher reichen völlig.

Irgendwann hat mir jemand gesagt, ich müsse auf 180 Schritte pro Minute kommen. Ich habe es versucht, bin drei Wochen wie ein aufgezogenes Spielzeug gelaufen und hatte anschließend Wadenprobleme.

Woher die Zahl kommt

Ein Trainer hat bei olympischen Läufen die Schrittfrequenz von Eliteathleten gezählt und festgestellt, dass fast alle bei oder über 180 lagen. Das ist eine Beobachtung an sehr schnellen Menschen bei sehr schnellem Tempo — und daraus wurde über die Jahre eine Vorgabe für alle, bei jedem Tempo.

Kadenz hängt von Tempo, Körpergröße, Beinlänge und Untergrund ab. Ein 1,90 m großer Mensch im lockeren Dauerlauf hat einen guten Grund, niedriger zu liegen als ein 1,60 m großer Mensch im Renntempo.

Warum sie trotzdem interessant ist

Weil die meisten Freizeitläufer — ich eingeschlossen — zu große Schritte machen. Der Fuß landet weit vor dem Körperschwerpunkt, das Knie ist gestreckt, die Bremskraft geht durch Schienbein und Knie. Mehr Schritte pro Minute heißt bei gleichem Tempo automatisch kürzere Schritte, und kürzere Schritte heißt: Der Fuß landet näher unter dir.

Die Kadenz ist nicht das Ziel. Sie ist der einfachste Hebel, um den Fußaufsatz zu verschieben, ohne über den Fußaufsatz nachzudenken.

Wie ich es gemacht habe

  1. Gezählt. Eine Minute lang die Schritte eines Fußes zählen, mal zwei. Bei mir waren es 158.
  2. Fünf Prozent drauf. Also rund 166, nicht 180.
  3. Einen Monat lang einmal pro Woche zehn Minuten bewusst in dieser Frequenz gelaufen, den Rest normal.
  4. Danach war es einfach so. Ohne Metronom, ohne App.

Wer die Zahl hören will: fast jede Laufuhr misst Kadenz mit. Ein Metronom-App im Ohr funktioniert für die zehn Minuten auch, ist aber nichts, was ich dauerhaft machen würde.

Was ich nicht mehr versuche

Den Fußaufsatz direkt zu ändern. Vorfuß, Mittelfuß, Ferse — die Debatte ist älter als ich, und die Evidenz dafür, dass eine Variante generell besser oder gesünder ist, ist erstaunlich dünn. Was sich ändern lässt, ohne sich zu verkrampfen, ist wo der Fuß landet, nicht womit. Und das erledigt die Kadenz nebenbei.

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