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Ernährung1. November 2026 · 3 Min.

Koffein und Ausdauerlauf: 21 Studien, 254 Läufer, und warum die Time-Trials so viel kleiner ausfallen

Die Meta-Analyse von 2022 fand für die Zeit bis zur Erschöpfung einen Effekt von g = 0,392, für Zeitfahren nur g = −0,101. Das sind zwei verschiedene Größenordnungen. Eine ältere Kaffee-Review nennt für Erschöpfungsversuche 24,2 Prozent und für Zeitfahren 3,1 Prozent — dieselbe Asymmetrie, unabhängig bestätigt.

Eine Tasse Kaffee und eine Sportflasche auf einer hellen Holzplatte neben einem zusammengerollten Laufshirt

Zwei Endpunkte, zwei Effektgrößen: Zeit bis zur Erschöpfung und Zeitfahren messen nicht dasselbe.

Kurz gesagtIn 21 randomisierten crossover-Studien mit 254 Teilnehmenden und Koffeindosen von 3 bis 9 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht verbesserte Koffein die Zeit bis zur Erschöpfung mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von g = 0,392, Konfidenzintervall 0,214 bis 0,571. Für Zeitfahren lag der Effekt bei g = −0,101, also klein. Freizeitläufer und trainierte Läufer lagen bei der Erschöpfung mit g = 0,469 und g = 0,344 beide im mittleren Bereich.

Koffein ist der am besten untersuchte Ausdauerhilfsmittel der Sportwissenschaft, und trotzdem wird es fast immer mit derselben Zahl zusammengefasst. Diese Zahl stammt aus den Versuchen mit Zeit bis zur Erschöpfung. Für echte Zeitrennen fällt der Effekt deutlich kleiner aus. Der Unterschied zwischen diesen beiden Endpunkten ist der eigentliche Inhalt dieses Artikels.

Die Meta-Analyse von 2022

Wang und Mitautoren durchsuchten vier Datenbanken bis zum5. Oktober 2022 und schlossen ausschließlich Crossover-Experimente ein, in denen Koffein gegen Placebo getestet wurde, einfach oder doppelt randomisiert und verblindet. Das Verzerrungsrisiko wurde mit dem Cochrane-Werkzeug RoB 2 bewertet, die Zusammenfassung lief über ein Zufallseffektmodell mit der standardisierten Mittelwertdifferenz nach Hedges g.

Der Pool: 21 randomisierte kontrollierte Studien, 254 Teilnehmende — davon 220 Männer, 19 Frauen und 15 ohne Angabe zum Geschlecht. 167 wurden als Freizeitätsläufer eingestuft, 87 als trainierte Läufer. Die Koffeindosen lagen zwischen 3 und 9 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Die Gesamteinschätzung der methodischen Qualität: unklar bis geringes Verzerrungsrisiko.

Die zwei Endpunkte, getrennt gelesen

Zeit bis zur Erschöpfung: g = 0,392. Konfidenzintervall 0,214 bis 0,571, p < 0,001, Größenordnung mittel.

Zeitfahren: g = −0,101. Konfidenzintervall −0,190 bis −0,012, p = 0,026, Größenordnung klein.

Das ist nicht dieselbe Aussage in zwei Worten. Rund viermal so groß. Der Wert für die Zeit bis zur Erschöpfung rechtfertigt keine Übertragung auf ein Rennen über eine festgelegte Strecke, denn die beiden Endpunkte messen unterschiedliche Dinge: Der erste misst, wie lange jemand einen Maximaleinsatz durchhält, der zweite, wie schnell jemand ein festgelegtes Pensum absolviert.

Die Subgruppenanalyse zeigt, dass beide Gruppen bei der Erschöpfung im mittleren Bereich liegen: Freizeitätsläufer g = 0,469, trainierte Läufer g = 0,344. Der Effekt ist also nicht auftrainierte Läufer beschränkt.

Eine ältere Studie, die dieselbe Asymmetrie findet

Diese Meta-Analyse war nicht die erste, die den Unterschied gesehen hat. Eine Review von 2016 untersuchte gezielt Kaffee vor dem Training, also nicht Koffein in Reinform. Neun Studien erfüllten die Einschlusskriterien, darunter die Angabe der verabreichten Dosis, die Gabe mindestens 45 Minuten vor dem Test und ein gemessener Ausdauerparameter.

Das Ergebnis, und es ist bemerkenswert klar getrennt:

  • in fünf von neun Studien signifikante Verbesserung
  • im Mittel 24,2 Prozent über der Kontrollgruppe bei Zeit-bis-zur- Erschöpfung-Versuchen
  • im Mittel 3,1 Prozent bei Zeit-bis-zur-Vollendung-Versuchen

Eine unabhängige Bestätigung derselben Asymmetrie, sechs Jahre vor der Meta-Analyse und mit einer anderen Substanz als Versuchsgegenstand.

Auffällig ist außerdem: In drei von sechs Studien senkte Kaffee die subjektive Belastungsempfindung gegenüber der Kontrollbedingung signifikant. Der subjektive Eindruck und die gemessene Zeit stimmen also nicht vollständig überein — wer sich beim Laufen leichter fühlt, wird nicht zwingend schneller.

Was die Autoren selbst einschränken

Beide Papiere schränken hier ausdrücklich ein, und diese Einschränkung ist der brauchbarste Teil der ganzen Seite.

Die Meta-Analyse von 2022 schreibt, dass mehr Evidenz nötig ist, um den Effekt bei Frauen zu bestimmen — bei 19 Frauen in 254 Teilnehmenden ist das kaum überraschend — und um die beste Dosis zu bestimmen, um den ergogenen Effekt zu maximieren.

Die Kaffee-Review nennt die Evidenzlage zur Koffeinzufuhr über Kaffee als mäßig und akzeptiert 3 bis 8,1 Milligramm pro Kilogramm Koffein als sichere Alternative zur Reinsubstanz. Das war 2016 der Stand; die Dosierungsempfehlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur sind strenger und seitdem nicht einfacher geworden.

Was diese Literatur nicht zeigt

Nicht einen Zugewinn bei jedem Rennen. Für Zeitfahren liegt der Effekt bei g = −0,101.

Nicht 24 Prozent schneller. Diese Zahl stammt aus Erschöpfungsprotokollen und wird in zwei Meta-Analysen durchweg mit g = 0,39 konfundiert. Die beiden Kennzahlen gehören nicht in denselben Satz.

Nicht für Frauen. 19 von 254, und die Autoren sagen es selbst.

Nicht, dass Kaffee die Leistung ersetzt. In keiner dieser Studien wurde Koffein gegen ein Laufprogramm getestet.

Fazit

Koffein hilft beim Ausdauerlauf, und die Wirkung ist gut genug, dass sie in 21 Studien mit 254 Läufern wiederholt wurde. Aber sie ist deutlich größer beim Halten eines Maximaleinsatzes als beim Fahren eines Rennens. Wer beides mit derselben Zahl zusammenfasst, verkauft die größere Zahl für die kleinere Leistung.

Woher die Zahlen kommen

  1. Nutrients 2022 — Effects of Caffeine Intake on Endurance Running Performance and Time to Exhaustion: a Systematic Review and Meta-Analysis (PMID 36615805, systematische Review und Meta-Analyse aus vier Datenbanken bis zum 5. Oktober 2022, ausschließlich crossover-Experimente mit Koffein gegen Placebo, randomisiert einfach oder doppelt verblindet, Endpunkte Zeit bis zur Erschöpfung oder Zeitfahren, Risiko der Verzerrung nach Cochrane RoB 2, Zufallseffektmodell mit standardisierter Mittelwertdifferenz nach Hedges g; 21 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 254 Teilnehmenden, davon 220 Männer, 19 Frauen und 15 ohne Angabe zum Geschlecht, 167 als Freizeitätsläufer und 87 als trainierte Läufer eingestuft, Koffeindosen von 3 bis 9 Milligramm pro Kilogramm, die methodische Qualität wurde insgesamt als unklar bis geringes Verzerrungsrisiko eingestuft; die Zeit bis zur Erschöpfung verbesserte sich unter Koffein mit g = 0,392, 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,214 bis 0,571, p kleiner als 0,001, Größenordnung mittel, in der Subgruppenanalyse sowohl bei Freizeitätsläufern mit g = 0,469 als auch bei trainierten Läufen mit g = 0,344, jeweils mittel; die benötigte Zeit in Ausdauer-Zeitfahren sank mit g = −0,101, Konfidenzintervall −0,190 bis −0,012, p gleich 0,026, Größenordnung klein; die Autoren halten fest, dass mehr Evidenz nötig ist, um den Effekt bei Frauen und die beste Dosis zu bestimmen)
  2. Int J Sport Nutr Exerc Metab 2016 — The Effects of Preexercise Caffeinated Coffee Ingestion on Endurance Performance (PMID 26568580, evidenzbasierte Review mit Suche in drei großen Datenbanken nach Koffein und Kaffee mit Ausdauer oder aerob; neun eingeschlossene Studien an Menschen, die die verabreichte Koffeindosis angeben, mindestens 45 Minuten vor dem Test verabreichten und einen Ausdauerleistungsparameter messen; in fünf von neun Studien signifikante Verbesserungen der Ausdauerleistung, im Mittel 24,2 Prozent über der Kontrollgruppe in Zeit-bis-zur-Erschöpfung-Versuchen und 3,1 Prozent in Zeit-bis-zur-Vollendung-Versuchen; in drei von sechs Studien senkte Kaffee die subjektive Belastungsempfindung gegenüber den Kontrollbedingungen signifikant mit p kleiner als 0,05; die Autoren bewerten die Evidenz für Kaffee als mäßig und geben als sichere Alternative zu wasserfreiem Koffein 3 bis 8,1 Milligramm pro Kilogramm beziehungsweise 1,36 bis 3,68 Milligramm pro Pfund an)

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