Lauf & Luft

Ein Lauftagebuch. Langsam, draußen, meistens zufrieden.

Wehwehchen9. August 2026 · 2 Min.

Seitenstechen: mein Frieden mit dem Stich

Was bei mir zuverlässig hilft, was gar nichts gebracht hat, und warum der Stich fast immer eine Botschaft übers Tempo ist.

Läufer hält sich die Seite an einem Feldweg

Kein Rätsel, aber auch keine saubere Erklärung.Foto: Bruno Aguirre / Unsplash

Kurz gesagtTempo raus, tief in den Bauch atmen, weiterlaufen. Meistens ist es nach zwei Minuten vorbei.

Seitenstechen war in meinem ersten Laufjahr so zuverlässig wie der Wetterbericht falsch. Kilometer zwei, rechte Seite, dieser fiese kleine Haken unter den Rippen. Inzwischen habe ich meinen Frieden mit ihm — hauptsächlich, weil ich verstanden habe, wann er kommt.

Wann er bei mir kommt

Mit den Jahren habe ich Buch geführt (nicht wörtlich — aber man merkt sich die Muster). Bei mir kommt der Stich fast immer, wenn mindestens eins von drei Dingen zutrifft:

  1. Zu schnell losgelaufen. Der Klassiker. Erste zwei Kilometer im Übermut, und die Rechnung kommt prompt.
  2. Zu kurz nach dem Essen. Mit vollem Magen loszulaufen war bei mir die zweitsicherste Methode. Seit ich mir nach größeren Mahlzeiten ein paar Stunden Abstand gönne, ist Ruhe.
  3. Hektisch geatmet. An gestressten Tagen laufe ich flach und schnell atmend los — und genau dann meldet sich die Seite.

Was hilft, wenn er da ist

Kein Geheimnis, aber es funktioniert bei mir in dieser Reihenfolge: Tempo raus — deutlich, nicht kosmetisch. Dann lang ausatmen, betont und ruhig, ein paar Dutzend Schritte lang; manchmal drücke ich dazu die Hand flach auf die Stelle. Meistens ist der Stich nach ein, zwei Minuten Gehen oder Trabtempo weg, und der Lauf geht weiter, als wäre nichts gewesen.

Was bei mir nichts gebracht hat: verbissen weiterlaufen und hoffen. Der Stich verhandelt nicht. Er wartet, bis man langsamer wird, und genau das kann man auch gleich freiwillig tun.

Die eigentliche Lektion

Irgendwann fiel mir auf: Seitenstechen ist bei mir fast nie ein Körperproblem, sondern ein Übermutsproblem. Es ist die unhöflichste, aber ehrlichste Tempoanzeige, die ich besitze. Seit ich ruhiger anlaufe — erste zehn Minuten bewusst gemütlich — ist der Stich von „jede zweite Runde” auf „ein paar Mal im Jahr” geschrumpft.

(Das übliche Kleingedruckte eines Laufblogs: Ich erzähle von meinem Bauch, nicht von deinem. Schmerzen, die bleiben, anders sind oder dich beunruhigen — damit bitte zu Menschen mit Ausbildung.)

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