Kombiniertes Training ist die am häufigsten empfohlene, am seltensten
durchgeprobte Variante in der Fitnessszene: die meisten trainieren entweder
Ausdauer oder Kraft, kaum jemand beides im selben Programm. Eine
Meta-Analyse von 2024 in PeerJ hat die Frage mit den verfügbaren Mitteln
beantwortet — und ihre Antwort enthält eine Warnung, die wichtiger ist als die
Wirkung.
Was eingeschlossen wurde
Die Suche lief bis Mai 2023 über sechs Datenbanken, aus 21.612 gesichteten
Arbeiten wurden 20 Studien eingeschlossen, mit Daten von 1.192
Teilnehmenden, mittleres Alter 57 Jahre (Standardabweichung 7). Alle
hatten Typ-2-Diabetes und Übergewicht oder Adipositas. Ausgewertet wurde mit
einem Zufallsmodell über standardisierte Mittelwertdifferenzen; das Cochrane-
Werkzeug prüfte das Verzerrungsrisiko, GRADE die Evidenzqualität.
Der Befund
Gegenüber Standardbehandlung verbesserte die Kombination signifikant:
- Körpergewichtsindex und glykiertes Hämoglobin
- systolischer und diastolischer Blutdruck
- C-reaktives Protein, Tumornekrosefaktor-alpha, Interleukin-6
- kardiorespiratorische Fitness
- Lebensqualität
Das ist eine breite Liste, über Kreislauf, Stoffwechsel, Entzündung und
Selbstbericht. Ein Befund dieser Breite ist selten und wäre eine gute
Nachricht — wenn nicht zwei Dinge im selben Absatz stünden.
Die zwei Dinge, die die Autoren selbst dazusagen
Die Herzfrequenz im Ruhezustand blieb unverändert. Ausgerechnet der
Parameter, den man am leichtesten mit «der Puls ist gesunken» verkauft, hat
sich nicht bewegt. Das ist kein Fehler in der Studie; es ist ein Ergebnis.
Verzerrungsrisiko unsicher, Evidenzqualität schlecht. Die Autoren haben
beides selbst in die Meta-Analyse geschrieben. Und sie formulieren als
ausstehende Arbeit, man brauche Studien mit robusterem Methodendesign, um die
Beziehung zwischen Trainingsmenge und Ergebnis sowie die Trainingsparameter zu
untersuchen.
Wenn eine Meta-Analyse von 20 Studien mit 1.192 Menschen selbst sagt, dass die
Evidenzqualität schlecht und das Verzerrungsrisiko unsicher ist, dann ist der
richtige Umgang mit dem Ergebnis nicht, es als Fakt zu zitieren, sondern es als
Richtung zu lesen.
Was diese Daten nicht zeigen
Nicht, dass kombiniertes Training besser ist als nur Kraft oder nur
Ausdauer. Die Meta-Analyse vergleicht mit Standardbehandlung, nicht mit den
beiden Einzelformen. „Beides zusammen wirkt” heißt nicht „beides zusammen
wirkt besser als eines davon”.
Nicht, wie viel Training man braucht. Die Autoren haben die Beziehung
zwischen Trainingsmenge und Ergebnis ausdrücklich als noch zu untersuchend
markiert. Aus 20 Studien lässt sich kein Schema ableiten.
Nicht, dass das für gesunde Menschen gilt. Population, Durchschnittsalter
und Grunderkrankung sind genau die drei Dinge, die hier eingeschränkt sind.
Und nicht, dass die Effekte dauerhaft sind. Die eingeschlossenen Studien
verliefen über Wochen bis Monate. Was danach passiert, steht in keiner der 20.