Ich hasse Regenläufe vorher und liebe sie nachher. Dazwischen liegt immer dieselbe Verhandlung mit mir selbst, und die Couch gewinnt öfter, als ich zugebe. Also hier, schwarz auf weiß, mein Protokoll — damit ich beim nächsten Guss keine Ausreden mehr habe.
Was man wirklich braucht
Weniger, als die Outdoor-Industrie behauptet:
- Eine Kappe mit Schirm. Der einzige Gegenstand, der wirklich zählt. Regen im Gesicht ist der Hauptgrund, warum sich Regen scheiße anfühlt — mit Schirm ist es plötzlich nur noch nass.
- Keine Baumwolle. Vollgesogenes Shirt scheuert und kühlt aus. Funktionsshirt, das ich eh schon habe. Keine Neuanschaffung nötig.
- Alte Schuhe einplanen. Sie werden nass. Danach Zeitung rein, nicht auf die Heizung — das verzieht das Material. Das ist die gesamte Schuhpflege.
Keine Regenjacke übrigens, zumindest nicht von mir: nach zehn Minuten schwitze ich darunter mehr, als der Regen je nass machen könnte. Lieber nass von außen als geduscht von innen.
Was die Ausreden wert sind
„Ich erkälte mich.“ Erkältungen kommen von Viren, nicht von Nässe. Nass plus kalt plus danach in nassen Klamotten in der Wohnung stehen — das schwächt. Also: direkt duschen, fertig.
„Es ist gefährlich.“ Bei Gewitter bleibe ich drin, das ist die einzige echte Grenze. Bei normalem Regen ist die größte Gefahr, in eine Pfütze zu treten. Ich spreche aus Erfahrung. Mehrmals.
„Es macht keinen Spaß.“ Die ersten fünf Minuten stimmen. Dann gewöhnt sich die Haut dran, die Wege sind leer, die Luft riecht gut, und das Gefühl danach — warm, trocken, überlegen — ist besser als nach jedem Schönwetterlauf.
Mein Merksatz
Ich laufe seit drei Herbsten bei Regen, und die Bilanz ist simpel: Man wird nass. Sonst passiert nichts. Die Couch wartet auch danach noch.