Ich habe lange geglaubt, dass Laufen auf nüchternen Magen irgendetwas Besonderes
bewirkt. Es bewirkt vor allem, dass ich schlechter laufe.
Kurze Läufe: gar nichts
Für alles unter etwa einer Stunde in lockerem Tempo reichen die gespeicherten
Kohlenhydrate problemlos. Wer morgens ohne Frühstück loslaufen will und sich
dabei gut fühlt: völlig in Ordnung. Wer sich dabei schlapp fühlt: auch völlig in
Ordnung, dann eben eine Banane.
Es gibt hier kein Richtig. Es gibt nur, was bei dir funktioniert, und das
herauszufinden ist eine Sache von zwei Wochen.
Ein bis zwei Stunden vorher
Wenn ich esse, dann so:
- Kohlenhydratreich, mäßig Eiweiß, wenig Fett und wenig Ballaststoffe.
- Banane, Toast mit Honig, Haferflocken mit wenig Milch, Reiswaffeln.
- Ein bis zwei Stunden Abstand. Bei mir sind neunzig Minuten der Punkt, an dem
nichts mehr im Magen liegt.
Was bei mir zuverlässig schiefgeht: Vollkorn kurz vorher, viel Obst, fettiger
Käse, und alles Scharfe. Ballaststoffe sind großartig — nur nicht vierzig
Minuten vor einem Lauf.
Ab neunzig Minuten
Dann wird es eine Rechenaufgabe, und die Größenordnung, die im Ausdauersport
seit Jahren genannt wird, liegt bei 30 bis 60 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde
für Belastungen über etwa anderthalb Stunden.
Das können Gels sein, müssen aber nicht. Eine Banane hat rund 20 Gramm, ein
Dattel-Riegel ähnlich, ein halber Liter Sportgetränk etwa 30. Mein erster
Marathon-Trainingsblock ist daran gescheitert, dass ich das für Profikram
gehalten habe.
Der Magen muss das üben. Das erste Gel im Wettkampf auszuprobieren ist eine
Entscheidung, die man genau einmal trifft.
Danach
Nichts Dramatisches. Eine normale Mahlzeit innerhalb der nächsten paar Stunden
reicht völlig; das berühmte 30-Minuten-Fenster ist deutlich weiter und weniger
dramatisch, als es verkauft wird. Wer zweimal am Tag trainiert, hat einen echten
Grund zur Eile. Ich nicht.
Kaffee
Funktioniert, ist gut untersucht, und ich trinke ihn vorher. Wer damit
Magenprobleme bekommt, lässt ihn weg — auch das ist keine Charakterfrage.