Jahrelang hatte ich genau ein Tempo: das, bei dem Reden anstrengend wird, aber
noch geht. Nicht locker, nicht schnell. Genau dazwischen. Und genau dort
passiert am wenigsten.
Die Idee
Die Verteilung, die im Ausdauersport seit Jahren diskutiert wird, sieht ungefähr
so aus: rund 80 Prozent des Umfangs deutlich locker, rund 20 Prozent deutlich
hart — und möglichst wenig in der Mitte.
Der Grund ist nicht Mystik, sondern Ermüdung. Lockere Kilometer bauen die
aerobe Basis auf und kosten wenig Erholung. Harte Einheiten setzen einen starken
Reiz und kosten viel. Mitteltempo kostet fast so viel wie hart und reizt fast so
wenig wie locker. Es ist das schlechteste Geschäft von allen — und es fühlt sich
am produktivsten an, was es so hartnäckig macht.
Wie locker ist locker
Ich benutze keine Zonen mehr, sondern zwei Tests:
- Sprechtest. Ich muss ganze Sätze sagen können. Nicht drei Wörter.
- Nasenatmung. Geht sie halbwegs, bin ich richtig. Muss ich durch den Mund
keuchen, bin ich zu schnell.
Beim ersten Mal war ich ehrlich gesagt beleidigt. Mein „lockeres” Tempo war
plötzlich fast Gehen. Nach sechs Wochen war es wieder Laufen — beim gleichen
Puls.
Der Teil, den keiner sagt
Die 80 Prozent funktionieren nur, wenn es überhaupt genug Kilometer gibt. Wer
dreimal 30 Minuten pro Woche läuft, hat kein Verteilungsproblem, sondern ein
Umfangproblem. Bei drei kurzen Läufen ist es völlig in Ordnung, wenn einer davon
zügig ist und zwei locker sind — die Prozentrechnung wird erst bei fünf oder
mehr Einheiten interessant.
Die WHO-Empfehlung für Erwachsene liegt übrigens bei 150 bis 300 Minuten
moderater oder 75 bis 150 Minuten intensiver Bewegung pro Woche, plus
Krafttraining an zwei Tagen. Das ist die Gesundheitsuntergrenze, nicht mein
Trainingsplan — aber es ordnet ein, wie wenig eigentlich nötig ist.
Was sich bei mir geändert hat
Ich laufe mehr, weil lockere Läufe nicht wehtun. Ich bin seltener kaputt. Und
mein Tempo bei gleichem Gefühl ist über anderthalb Jahre spürbar schneller
geworden, ohne dass ich je einen Plan befolgt hätte.
Ein harter Lauf pro Woche reicht mir. Manchmal sind es zwei. Nie drei — das habe
ich einmal probiert und mir dabei eine Reizung eingefangen, die sechs Wochen
gedauert hat.