Lauf & Luft

Ein Lauftagebuch. Langsam, draußen, meistens zufrieden.

Technik & Tempo21. Juni 2026 · 2 Min.

80/20: warum fast alles langsam sein soll

Der größte Fehler, den ich jahrelang gemacht habe, war mittelschnell zu laufen. Immer. Hier ist, was ich seitdem anders mache.

Läuferin auf einem Waldweg im Morgenlicht

Locker heißt: Sprechen in ganzen Sätzen, nicht in Wortfetzen.Foto: Maksim Shutov / Unsplash

Kurz gesagtVier von fünf Läufen sollen sich zu leicht anfühlen. Der fünfte darf richtig wehtun.

Jahrelang hatte ich genau ein Tempo: das, bei dem Reden anstrengend wird, aber noch geht. Nicht locker, nicht schnell. Genau dazwischen. Und genau dort passiert am wenigsten.

Die Idee

Die Verteilung, die im Ausdauersport seit Jahren diskutiert wird, sieht ungefähr so aus: rund 80 Prozent des Umfangs deutlich locker, rund 20 Prozent deutlich hart — und möglichst wenig in der Mitte.

Der Grund ist nicht Mystik, sondern Ermüdung. Lockere Kilometer bauen die aerobe Basis auf und kosten wenig Erholung. Harte Einheiten setzen einen starken Reiz und kosten viel. Mitteltempo kostet fast so viel wie hart und reizt fast so wenig wie locker. Es ist das schlechteste Geschäft von allen — und es fühlt sich am produktivsten an, was es so hartnäckig macht.

Wie locker ist locker

Ich benutze keine Zonen mehr, sondern zwei Tests:

  • Sprechtest. Ich muss ganze Sätze sagen können. Nicht drei Wörter.
  • Nasenatmung. Geht sie halbwegs, bin ich richtig. Muss ich durch den Mund keuchen, bin ich zu schnell.

Beim ersten Mal war ich ehrlich gesagt beleidigt. Mein „lockeres” Tempo war plötzlich fast Gehen. Nach sechs Wochen war es wieder Laufen — beim gleichen Puls.

Der Teil, den keiner sagt

Die 80 Prozent funktionieren nur, wenn es überhaupt genug Kilometer gibt. Wer dreimal 30 Minuten pro Woche läuft, hat kein Verteilungsproblem, sondern ein Umfangproblem. Bei drei kurzen Läufen ist es völlig in Ordnung, wenn einer davon zügig ist und zwei locker sind — die Prozentrechnung wird erst bei fünf oder mehr Einheiten interessant.

Die WHO-Empfehlung für Erwachsene liegt übrigens bei 150 bis 300 Minuten moderater oder 75 bis 150 Minuten intensiver Bewegung pro Woche, plus Krafttraining an zwei Tagen. Das ist die Gesundheitsuntergrenze, nicht mein Trainingsplan — aber es ordnet ein, wie wenig eigentlich nötig ist.

Was sich bei mir geändert hat

Ich laufe mehr, weil lockere Läufe nicht wehtun. Ich bin seltener kaputt. Und mein Tempo bei gleichem Gefühl ist über anderthalb Jahre spürbar schneller geworden, ohne dass ich je einen Plan befolgt hätte.

Ein harter Lauf pro Woche reicht mir. Manchmal sind es zwei. Nie drei — das habe ich einmal probiert und mir dabei eine Reizung eingefangen, die sechs Wochen gedauert hat.

Woher die Zahlen kommen

  1. WHO — Leitlinien zu körperlicher Aktivität und sedentärem Verhalten (2020)

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