Jeden Winter trainiere ich ein Stück auf dem Band, und jedes Mal habe ich dieselbe Frage gestellt: Wenn ich hier gleich schnell laufe, laufe ich draußen dann auch gleich schnell? Dasselbe Tempo auf dem Band heißt nicht dasselbe Tempo auf der Straße, und die Zahlen, die ich jahrelang benutzt habe, waren fast nie dieselbe Zahl auf beiden Geräten. Zwei große systematische Auswertungen haben die Frage 2019 und 2020 beantwortet. Sie kommen zu zwei verschiedenen Antworten.
Die Antwort auf die Leistung
Miller, Van Hooren und ihre Mitautoren haben AMED, CINAHL, EMBASE, MEDLINE, SCOPUS, SPORTDiscus und Web of Science durchsucht, bis Mai 2018, und nur Crossover-Studien aufgenommen: dieselben Personen laufen auf Band und draußen. Vierunddreißig Studien. Endpunkte waren Sauerstoffaufnahme, Herzfrequenz und Laktat bei submaximaler, nahezu maximaler und maximaler Intensität, dazu Wahrnehmung und Zeitmessungen.
Bei submaximaler Belastung auf dem motorisierten Band ohne Steigung war der Sauerstoffverbrauch gegenüber dem Laufen im Freien um 0,55 Milliliter je Kilogramm und Minute niedriger, mit einer Streuung von 0,93. Der Laktatwert lag um 1,26 Millimol je Liter niedriger, Streuung 0,71. Mit einprozentiger Steigung drehte sich das Vorzeichen beim Sauerstoffverbrauch sogar: plus 0,37 mit Streuung 1,12, beim Laktat minus 0,52 mit Streuung 0,50. Beides überlappte null.
Nahe am Maximum war der Sauerstoffverbrauch auf dem Band niedriger, aber die Herzfrequenz war praktisch identisch: 0 Schläge pro Minute bei einer Streuung von 1. Die subjektive Anstrengung lag bei minus 0,4 Punkten auf einer Skala von 6 bis 20, Streuung 2,0. Maximal war auch der Sauerstoffverbrauch gleich: plus 0,78 mit Streuung 1,55, die Herzfrequenz minus 1 mit Streuung 2.
Und dann die Zeile, die meine Frage beantwortet: Die Ausdauerleistung auf dem motorisierten Band war schlechter als draußen, mit einer standardisierten Differenz von minus 0,50 und einer Streuung von 0,36. Bei der Sprintleistung gab es keinen signifikanten Unterschied: minus 1,4 Kilometer pro Stunde bei einer Streuung von 5,8.
Zwei Läufer, gleiche Geschwindigkeit, gleicher Sauerstoffverbrauch, und trotzdem ist einer auf dem Band langsamer. Das ist keine Fehlmessung, das ist die Einheit, in der die Unterschiede entstehen.
Die Antwort auf die Mechanik
Van Hooren, Fuller, Buckley und ihre Mitautoren haben 33 Studien mit 494 Teilnehmenden ausgewertet und die einzelnen Ergebnisse nach GRADE bewertet. Das meiste war vergleichbar zwischen Band und Freilauf — räumlich-zeitlich, kinematisch, kinetisch. Vier Größen nicht.
Der Winkel zwischen Fuß und Boden beim Aufsetzen war auf dem Band um 9,8 Grad kleiner, Konfidenzintervall von minus 13,1 bis minus 6,6, GRADE niedrig. Der Bewegungsumfang der Knieflexion vom Aufsetzen bis zum Maximum in der Standphase war um 6,3 Grad größer, Intervall 4,5 bis 8,2, ebenfalls niedrig. Die vertikale Bewegung des Schwerpunkts war um 1,5 Zentimeter geringer, Intervall von 2,7 bis 0,8. Die maximale treibende Kraft war um 0,04 Körpergewichte geringer, Intervall von 0,06 bis 0,02, GRADE sehr niedrig. Umgekehrt war die Kontaktzeit um 5,0 Millisekunden länger, Intervall 0,5 bis 9,5, und das Moment im Sprunggelenk in der Sagittalebene um 0,4 Newtonmeter je Kilogramm höher.
Neun Komma acht Grad beim Aufsetzen sind ein Unterschied, den man in der Aufzeichnung sieht und in der Leistung nicht. Deshalb ist die ehrliche Zusammenfassung der Autoren zweigeteilt: Die Größen sind weitgehend vergleichbar, aber beim Aufsetzen ist die Sagittalebene der Punkt, an dem man nicht extrapolieren darf.
Ein Nebensatz, den ich hervorheben will, weil er selten abgedruckt wird: Mehrere Autoren dieser Auswertung haben Forschungsprojekte mit Schuhen durchgeführt, die von der Schuhindustrie gesponsert wurden, einer unter anderem vom Decathlon bezahlt. Sie schreiben selbst, dass keine Firma an Planung, Durchführung und Auswertung beteiligt war. Es steht im Abstract, weil es dort hingehört.
Warum die Ökonomie im Labor gemessen wird
Saunders und seine Mitautoren haben den Grund zusammengefasst, warum sich die Laufökonomie überhaupt auf dem Band messen lässt. Sie ist die Energienachfrage für eine gegebene submaximale Geschwindigkeit, gemessen über die Steady-State-Sauerstoffaufnahme und den Atemquotienten. Bei kontrollierten Bedingungen ist sie ein stabiler Test, der auch kleine Veränderungen durch Training oder eine Intervention aufdeckt — aber Schuhwerk, Tageszeit und Ernährungsstatus müssen standardisiert sein, um den Messfehler zu begrenzen.
Und ein methodischer Punkt, den ich seit Jahren falsch gemacht habe: Die Sauerstoffaufnahme bei submaximaler Belastung steigt nicht linear mit der Körpermasse. Es wurde empfohlen, die Ökonomie relativ zur 0,75-Potenz der Körpermasse zu berichten. Wer das nicht tut, misst bei einer Gruppe, wie viel die Läufer wiegen.
Und wie man es draußen misst
Dass der Sauerstoffverbrauch auch im Freien messbar ist, hat Jones und sein Team im Rahmen des Projekts „Breaking 2” gezeigt, sechzehn sehr gut trainierte Männer, 29 Jahre alt, 58,9 Kilogramm. Ihre gemessene maximale Sauerstoffaufnahme lag bei 71,0 Millilitern je Kilogramm und Minute. Die Laktatenschwelle lag bei 18,9 Kilometern pro Stunde, 83 % des Maximums, der Wendepunkt bei 20,2, 92 %.
Sieben der Athleten erreichten im Freien bei 21,1 Kilometern pro Stunde einen konstanten Zustand. Die Sauerstoffkosten lagen bei 191 Millilitern je Kilogramm und Kilometer, was rund 4,0 Liter pro Minute bedeutet oder 94 % ihrer maximalen Aufnahme. Ihre Schlussfolgerung: Für eine Zwei-Stunden-Marathon müsste ein Läufer von 59 Kilogramm rund 67 Milliliter je Kilogramm und Minute aufrechterhalten.
Das ist die eigentliche Antwort auf meine Winterfrage. Man kann die Ökonomie draußen messen, in Laborgeräten, an siebzehn Weltklasseläufern — aber im Alltag bleibt die Bandmessung eine Näherung, und die Ausdauerleistung ist genau die Größe, für die sie nicht gilt.
Was das für mich heißt
Ich trainiere im Winter weiter auf dem Band, mit einer Konsequenz, die vorher nicht da war. Wenn ich dort bei Tempo X laufe, ist X für mich ein Testwert. Das Tempo, das ich auf der Straße laufen muss, um vergleichbare Arbeit zu leisten, ist ein anderes, und ich muss es messen, statt es anzunehmen. Die komfortable Erklärung — gleiche Zahl, gleicher Läufer, gleiche Arbeit — ist diejenige, die beide Meta-Analysen übereinstimmend nicht liefern.